Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Es gibt keinen Ersatz für Blutspenden

DRK-Präsident Werner Kuhn spendet Blut. © Evelyn Koepke

09.09.2014

Ribnitz-Damgarten.  Sommerzeit ist Ferienzeit und alljährlich werden in diesen Monaten die Blutkonserven knapp. "Die Fußball-Weltmeisterschaft war dieses Jahr deutlich spürbar: In den ersten zwei Juli-Wochen kamen durchschnittlich 25 Prozent weniger Spender zu den Terminen. Das entspricht etwa 1000 Spenden", sagt Olaf Müller-Stegemann, Kaufmännischer Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Mecklenburg-Vorpommerns. Nachdem die WM vorbei war, kamen die Spender wieder regelmäßig wie zuvor, berichtet er.

Fast  9000 Blutspenden wurden von Anfang Juli bis zum 25. August 2014 vom Blutspendedienst M-V entnommen; im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es über 11.500, informiert Müller-Stegemann. "Pro Tag waren das im Schnitt 230; wir brauchen aber 286 Spenden an jedem Tag." In den zwei Sommermonaten haben 150 Mitarbeiter des Blutspendedienstes M-V 260 Spendetermine im ganzen Land bewältigt. "Ohne die Ehrenamtlichen vom DRK wäre das nicht möglich," sagt des Landes-DRK Präsident Werner Kuhn, der seit seinem 19. Lebensjahr regelmäßig  Blut spendet. 40 Jahre ist das her. "Ich erinnere mich noch sehr genau," sagt Kuhn: "Ich war Soldat bei der NVA  und die Spende im Krankenhaus in Bergen nahm ein junger Assistenzarzt ab. Es war eine Mutprobe unter den Kameraden. Also konnte man nicht zugeben, dass man beim ersten Mal auch ein bisschen Bammel hatte. "  Werner Kuhn war auch in diesem Sommer wieder Blut spenden. "Ich habe selbst erfahren müssen, dass Blut und Leben zusammengehören. Denn schwere Krankheiten, bei denen nicht immer das Leben gewann, haben auch um meine Familie keinen Bogen gemacht. Darum bin ich bekennender Blutspender. Der zweite Grund ist mein Amt als Präsident des DRK- Landesverbandes, der Träger des Blutspendedienstes ist. Da will ich Vorbild sein. Außerdem ist die Blutspende eine sehr einfache Art, anderen Menschen zu helfen. Jeder  kann in die Situation kommen, auf Spenderblut angewiesen zu sein."

Warum werden gerade im Sommer mehr Spenden gebraucht, als in den anderen Monaten? Gibt es mehr Unfallopfer? Kuhn: "Nein. Unfallopfer stehen mit einem Verbrauch von 12 Prozent der Blutspenden erst an vierter Stelle des Bedarfs".  Spitzenreiter mit 19 Prozent seien die Tumorpatienten. Das durch die Krankheit  angegriffene Knochenmark als Blut-Produktionsquelle  wird durch die Krebs-Therapie geschwächt. Deshalb brauchen  Tumorpatienten bis zu dreimal wöchentlich eine Blutspende.

Patienten mit Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Erkrankungen benötigen bei ihren Operationen 16 Prozent der gesamten Blutspenden.  Viele Operationen, Transplantationen und die Behandlung von Patienten mit bösartigen Tumoren sind nur dank moderner Transfusionsmedizin möglich geworden, begründet der DRK-Präsident weiter. Aber: "Selbst das beste medizinische Versorgungssystem ist bei diesen Krankheiten oder lebensgefährlichen Verletzungen ohne Blutpräparate nahezu machtlos und nicht funktionsfähig." Es gibt nun einmal keinen Ersatz für die Blutspende.

Immer wieder warnen Experten davor, dass das Blut knapp werden könnte. Kuhn: "Grund für den erwarteten Mangel ist die Überalterung der Gesellschaft, die in Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern besonders schnell voranschreitet. Sie führt dazu, dass es immer weniger junge und gesunde Spender gibt." Gleichzeitig wächst mit der Zahl der alten Menschen der Blutbedarf. "Zudem hat der medizinische Fortschritt die Nachfrage nach Blutkonserven erhöht, weil immer mehr komplizierte Eingriffe gemacht werden. So hat sich die Zahl der offenen Herzoperationen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt."

Knapp fünf Millionen normale Blutspenden werden nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts jedes Jahr in Deutschland abgegeben. Drei Viertel davon sammelt das Deutsche Rote Kreuz ein, das sich dabei hauptsächlich auf langjährige Spender stützt, die häufig mehrmals jährlich kommen. Sie bringen 90 Prozent der Blutkonserven auf. Nur zehn Prozent stammen von so genannten Einmal-Spendern.

Das Deutsche Rote Kreuz veröffentlicht regelmäßig Zahlen zum Bedarf von Blutspenden. Rund 15.000 Blutkonserven deutschlandweit sind es aktuell, die jährlich benötigt werden.

Im Internet findet man unter www.drk-blutspende.de/blutspendetermine die Termine für seine Region, ansonsten hilft die kostenlose Telefon-Spenderhotline 0800 11 949 11 weiter.


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