Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Dorsch ohne Nachwuchs
02.08.2016

"Der Dorsch stirbt aus" vermelden Schlagzeilen. Sie sind ebenso wenig real wie die Katastrophensprache von Umweltaktivisten: "Dorschdrama", "Totalausfall", "Zusammenbruch", "Schreckenszenario". Schon die Wikinger jagten vor über 1000 Jahren  dem Brotfisch hinterher und er ist bis heute nicht ausgestorben - selbst im 2. Weltkrieg nicht, als ihn gar keiner jagte. Doch da hat er sich weder fürchterlich vermehrt, noch ist er groß und fett geworden. Warum? Der Fisch braucht den Fischereidruck, der gehört zum Gleichgewicht im Meer. Doch der Druck darf nicht größer sein, als Laich nachwächst. 

Weil es aber gerade in den letzten Jahren so war, geht es dem Dorsch in der westlichen Ostsee ans Leben. Der Nachwuchs fehlt. Erstmals, so erklären die Forscher, habe der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES),  2015 eine bestandsspezifische Berechnung für den Westdorsch vorgelegt, nach der der Bestand deutlich kleiner war, als zuvor. Jedoch wurde 2015 von den Fischereiministern der EU-Mitgliedsländer eine Quote ermittelt, die nahezu doppelt so hoch war, wie die ICES-Empfehlung. Das gleiche 2016: Wieder eine "politische" Quote. Die rächt sich nun. Durch den hohen Fischereidruck der vorhergehenden Jahre nutzt die Fischerei jetzt nur noch wenige Jahrgänge. Der Ausfall der Nachwuchsproduktion schlägt unmittelbar auf den Fang 2017 durch. 

Die schlechte Prognose für  die Dorschsaison in der westlichen Ostsee 2017 führte zu der ICES-Empfehlung, die Quote um 85 Prozent zu reduzieren.  Der Ausfall betrifft Angler und Berufsfischer gleichermaßen, sie sitzen in einem Boot. Brüssel hat keine Schuld an den schlechten Aussichten und das EU-Parlament schon gar nicht, denn das bestimmt die Quoten nicht. Ende August trifft sich das Forum für die Fischerei in der Ostsee (BALTFISH) in Frankfurt, um eine Dorsch-Lösung zu finden, die dem Rat übergeben werden kann. In diesem Gremium der Ostsee-Meeresschutzkommission HELCOM  hat Deutschland seit dem 1.7.2016 die Präsidentschaft. Mitglieder in BALTFISH sind alle EU-Mitgliedstaaten im Ostseeraum. 

Der Ostseeplan - der erste langfristige Bewirtschaftungsplan für die Fischereien, der die Interaktionen von  Kabeljau, Sprotte und Hering berücksichtigt - gewährleistet Nachhaltigkeit. Das diese Hoffnung nicht unreal ist, zeigt das Beispiel des Dorschbestandes in der östlichen Ostsee, der völlig am Boden war und sich 2012 nach mehreren starken Jahrgängen überraschend schnell erholt hatte. Damals erreichte die Population bei Bornholm mit fast 400.000 Tonnen sogar die Größe von vor 20 Jahren! Wissenschaftler führten das auf ein wirksames Fischmanagement zurück.

Darum bin ich dafür, jetzt die Subvention von vier Millionen Euro aus dem Ostseeplan zu nutzen - die sich Bundesregierung und EU teilen wollen - um den Fischern einen Ersatz für den Verlust 2017 zu zahlen. Ich bin absolut gegen angekündigte Abwrackprämien, denn das führt zu einer Konzentration der Großen! Alle wissen: Wenn die kleinen Kutter erst verschwunden sind, ist es schwer, die kleinteilige Fischerei zu erhalten. 

Der Ostseeplan  garantiert den Schutz von Dorsch & Co. Geht aus Gutachten hervor, dass die Biomasse des Laicherbestands unter die festgelegten Mindestreferenzpunkte rutscht, wird sofort Abhilfe getroffen, um den Bestand schnell wieder an die Werte oberhalb des höchstmöglichen Dauerertrags zu bringen. Der Ostseeplan ist rechtsverbindlich und wird nun seine Feuertaufe bestehen.

Ihr  Werner Kuhn


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