Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Inder beeindruckt von Ingenieurnation Deutschland
12.10.2012

Wismar „Als Ingenieure sehen wir Deutschland, wenn wir nach Europa schauen. Frankreich verbinden wir mit Architektur, Italien mit Design und Großbritannien mit dem Finanzplatz. Im Allgemeinen ist Europa für uns der wirtschaftlich leistungsfähigste Kontinent“, erklären einhellig indische Ingenieure, die im Rahmen der Hochschulkooperation zwischen der Hochschule Wismar und der Gujarat Technological University (GTU) in Ahmedabad im Nordwesten des indischen Subkontinents derzeit in Wismar weilen. Die GTU, Teil der Gujarat University, ist die größte und älteste Universität des Bundesstaates Gujarat, an der über 200.000 Studenten eingeschrieben sind. 25 indische Ingenieurwissenschaftler absolvieren an der Hochschule eine Weiterbildung, die einen zweimonatigen Theorieteil an der Hochschule und ein dreimonatiges Praktikum in einem deutschen Unternehmen umfasst. „Deutschland ist für uns d i e Ingenieurnation weltweit“, bekräftigt der Informatiker Parth Mistry. An der Wismarer Hochschule sind zurzeit 6954 Studenten an drei Fakultäten immatrikuliert; hinzu kommen rund 3000 Fernstudenten.

Am 11. Oktober 2012 bestritt Mecklenburg-Vorpommerns einziger Abgeordneter des Europäischen Parlaments, Werner Kuhn (CDU), von Hause aus Schiffbauingenieur, ein vierstündiges Seminar mit den Absolventen. Dabei kam es zu intensiven Diskussionen mit den jungen Männer, die die verschiedensten Ingenieurwissenschaften vertreten: Angefangen von Raumfahrtingenieuren waren Mechanik-, Elektronik-, Chemie-, Informatik- und Chemieingenieure dabei. Möchte sie gern in Deutschland arbeiten, streben sie vielleicht eine Greencard an? „Nein“, sagt Rutvij R. Rami, Aerospace Ingenieur, wir würden hier gern Erfahrungen sammeln, dann aber zurückgehen. Dauerhaft arbeiten wollen wir hier nicht.“ Die anderen nicken.

Europas Anteil am weltweiten Bruttoinlandprodukt beträgt 32,4 Prozent, der der Asien-Pazifik-Staaten mit Japan 29 Prozent; die Vereinigten Staaten sind mit 23 Prozent vertreten, informiert Werner Kuhn. Großes Interesse weckten auch die Informationen Kuhns über EU-Finanzmittel in Höhe von 2,7 Milliarden Euro, die insgesamt nach Mecklenburg-Vorpommern geflossen sind, und über die gegenwärtige Eurokrise sowie die Staatsverschuldung der einzelnen Mitgliedsländer. Auf Unverständnis stieß allerdings die gegenwärtig spürbare Europaverdrossenheit in Teilen der deutschen Bevölkerung angesichts der immensen Wirtschaftskraft trotz Krise. Mit freundlicher Distanz nehmen die Ingenieure auch die Energiewende in Deutschland zur Kenntnis. In ihrem Heimatland sind 12 Kernkraftwerke am Netz, die verbrauchten Brennstäbe würden in sicheren Behältern tief in der Erde  gelagert, erklären sie Kuhn. Und wundern sich, dass Deutschland seine Wirtschaftskraft in Zukunft mit Windmühlen und Photovoltaik bestreiten will.

Nach dem Seminar waren die indischen Ingenieure am Abend auch Gäste eines Forums der Konrad-Adenauer Stiftung mit Werner Kuhn über Perspektiven der Europäischen Union im Haus des Gastes in Wismar, an dem rund 60 Besucher teilnahmen.


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