Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Werner Kuhn wendet sich gegen Kriminalisierung der Küstenfischer
28.09.2012

Brüssel/Stralsund. „Umweltverbände und Fernsehköche haben sich in diesen Tagen den Kampf für den Fisch und gegen die Überfischung mit Nachdruck auf die Fahnen geschrieben. Glaubt man ihrer Argumentation, stehen sie allein auf weiter Flur und das Feindbild ist schnell ausgemacht: Es sind die Fischer und natürlich ist es die Fischereipolitik der EU“, erklärte der Europaabgeordnete Mecklenburg-Vorpommerns, Werner Kuhn (CDU), gestern. Kuhn, der Mitglied im Fischereiausschuss des EU-Parlamentes ist, wendet sich vehement gegen die Kriminalisierung der kleinen Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommerns. „Da ist vor dem Stralsunder Ozeaneum von der ‚Ausrottung der Fische‘ die Rede – das ist ganz einfach überzogen“, betont Kuhn.  In der vergangenen Woche sei in Brüssel im Fischereiausschuss und davor im Plenum des Parlamentes massiv für die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik und für Bedingungen gekämpft worden, wie zukünftig der so genannte  höchstmögliche Dauertrag (MSY – Maximum sustainable yield) bei der effektiveren Bewirtschaftung der Meeresressourcen nach 2014  gesichert wird. Kuhn, der sich im Ausschuss als Berichterstatter für das Skagerrak aktuell mit der Problematik des Rückwurfverbotes beschäftigt, erklärt, dass zu diesem Thema noch eine ganze von Fragen gelöst werden müssen: „Ich bin für die Verwertung der Rückwürfe, denn es sind wertvolle Eiweißressourcen. Doch unverkäuflicher Fisch kann den Fischern nicht auf die Quoten angerechnet werden,  zumal nicht, wenn sie davor einen unermesslichen Sortieraufwand an Bord leisten müssen.“  Kuhn wandte sich auch gegen eine Ausweitung der Überwachung: „Es ist schon jetzt Regel, dass sich jeder Fischer, der ausläuft, beim Fischereimeister abmelden muss, und auf See permanent über das satellitenbasierte Automatische Identifikationssystem (AIS) überwacht wird. Er muss seinen Fang auf einer geeichten Waage wiegen und vor dem Einlaufen bis auf den letzten Fisch melden und kontrollieren lassen, bevor er überhaupt anlanden darf.“ Kuhn weiter: „Eine Verschärfung mittels Videoüberwachung  nach der Methode Big Brother halte ich für überzogen.  Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Küstenfischerei stirbt.“ Damit würde auch der Tourismus in MV empfindliche Einbußen erleiden.

Die EU nutze darüber hinaus seit Jahren Satellitendaten, um illegale Fischerei und Piraterie zu bekämpfen. Die Deutschen Marine fährt Einsätze gegen illegale Fischer und Piraten im Rahmen von EU-Missionen und das ganze werde durch das europäische Satellitennavigationssystem Galileo demnächst weiter ausgebaut. „Wenn die Umweltschutzorganisation WWF erst jetzt den Nutzen von Satellitendaten für sich entdeckt, kommt sie reichlich spät“, so der Abgeordnete.

Kuhn: „Wir sind 500 Millionen Europäer und verbrauchen jährlich acht Millionen Tonnen Fisch. In europäischen Gewässern werden aber nur zwei Millionen Tonnen gefangen und  800.000 Tonnen produzieren wir in europäischen Aquakulturen selbst. Über fünf Millionen Tonnen Fisch werden in die EU importiert! Sie fehlen nicht nur in anderen Regionen der Welt, auch der Energie- und Klimaverbrauch für den Transport ist immens. „Ich sehe eine große Chance für Teichwirtschaft und Aquakultur in M-V. Investitionen in neu zu errichtende Aquakulturen sollen gefördert werden. Dafür müssen weitere Fischarten aquakulturfähig gemacht werden. Für all das wird der EU-Fischereifonds ab 2014 um 1,4 Mrd. Euro erhöht“, betont der Abgeordnete.


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