Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Dorsch-Forschungsschlachten im Thünen-Institut.

Dorsch-Forschungsschlachten im Thünen-Institut.

 Im Magen eines respektablen Tieres wurde eine Plastik-Verpackung gefunden.

Im Magen eines respektablen Tieres wurde eine Plastik-Verpackung gefunden.

Gemeinschaftsfoto vor dem Thünen-Institut.

Gemeinschaftsfoto vor dem Thünen-Institut.

Auf dem Hochseeangelkutter “Zufriedenheit” wird über die Schwierigkeit geführter Angeltouren diskutiert.

Auf dem Hochseeangelkutter “Zufriedenheit” wird über die Schwierigkeit geführter Angeltouren diskutiert.

Werner Kuhn bedankt sich bei Prof. Brillowski für die Unterstützung.

Werner Kuhn bedankt sich bei Prof. Brillowski für die Unterstützung.

Im Fischwerk Eurobaltic in Mukran

Im Fischwerk Eurobaltic in Mukran.

Diskussion mit Kutter- und Küstenfischern in Barhöft.

Diskussion mit Kutter- und Küstenfischern in Barhöft.

Werner Kuhn (links) und Jens Giesecke (beide Europäische Volkspartei) mit Kutter- und Küstenfischern.

Werner Kuhn (links) und Jens Giesecke (beide Europäische Volkspartei) mit Kutter- und Küstenfischern.

Bei den Müritzfischern mit Ulrich Paetsch. v.l. Paetsch, Clara Eugenia AGUILERA GARCIA (Sozialdemokraten) (Spanien, ehemalige Fischereiministerin), Annie SCHREIJER-PIERIK (Europäische Volkspartei)  (Niederlande), Werner Kuhn, einer der Fischer, Jens Gieseke.

Bei den Müritzfischern mit Ulrich Paetsch. v.l. Paetsch, Clara Eugenia AGUILERA GARCIA (Sozialdemokraten) (Spanien, ehemalige Fischereiministerin), Annie SCHREIJER-PIERIK (Europäische Volkspartei) (Niederlande), Werner Kuhn, einer der Fischer, Jens Gieseke.

In der Aquaponik-Anlage in Waren-Müritz.

In der Aquaponik-Anlage in Waren-Müritz.

Abgeordnete des Europaparlaments:

„Wir müssen zeigen, dass Europa für die Menschen da ist“

Internationale Delegation des Fischereiausschusses besuchte Mecklenburg-Vorpommern

Brüssel. Reicht der Fisch in der Ostsee für Ernährung und Tourismus? Wieviel Fischerei vertragen unsere Meere? Welche Weichen müssen für die europäische Fischerei gestellt werden? Werner Kuhn, Europaabgeordneter und Vizevorsitzender des Fischereiausschusses des Europaparlaments, hatte seine Ausschusskollegen im Juli nach Mecklenburg-Vorpommern zu einer umfangreichen Delegationsreise eingeladen.

Sechs EU-Parlamentarier informierten sich drei Tage lang nicht nur über die Fischereiforschung in M-V, sondern auch die Situation und Bedingungen der Hochsee-, Binnen-, Kutter- und Küstenfischerei sowie über die Freizeitfischerei.  Zu den Mitgliedern der Gruppe gehörten neben Delegationsleiter Werner Kuhn von der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) Francisco Millán Mon (EVP) aus Spanien, Annie Schreijer-Pierik (EVP) aus den Niederlanden sowie Clara Eugenia Aguiera-Garcia von der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) – sie ist ehemalige Fischereiministerin Spaniens. Weiterhin Ulrike Rodust aus Schleswig-Holstein (S&D), Jens Gieseke (EVP) aus Niedersachsen. Die Abgeordneten wurden von Vertretern des Ausschusssekretariates und einer Gruppe von Dolmetschern begleitet.  

Auftakt der Reise war der Besuch im Rostocker Johann Heinrich von Thünen-Institut für Ostseefischerei. Aufgabe der Einrichtung, so Dr. Christopher Zimmermann, Direktor der Einrichtung, sei die Erforschung und Beurteilung des marinen Lebens in der Ostsee. Auftraggeber sind zum Einen die EU und der Internationale Rat für Meeresforschung, die das Monitoring, also die Beobachtung und Begutachtung in Form von Daten benötigen. Zum Zweiten ist es die Wissenschaftsgemeinschaft, die den Erkenntnisfortschritt braucht. Und zum Dritten erwarten Politik, Ministerien und die Praxis eine fachlich fundierte Beratung.

Im Labor beim Forschungsschlachten von Dorschen demonstrierten die Forscher der Delegation, wie sie an der Struktur der Ohrsteine im Kopf der Fische ihr Alter bestimmen. Plötzlich konnten alle erkennen, wie aus einem unnatürlich rechteckig geformten Dorschmagen die starre Plastikschale einer Verpackung herausgeschnitten wurde. Das Tier war mit anderen vor Kühlungsborn in die Netze einheimischer Fischer gegangen, die sie für die Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben. Plastikmüll im Meer – nicht nur in fernen Entwicklungsländern, sondern auch in der Ostsee, vor unserer Haustür.  

Seit Jahresbeginn beklagen Fischer und Angler die Einschränkungen bei Dorschfangmengen, die von der EU nach dem Totalausfall eines Jahrgangs in der westlichen Ostsee verhängt werden musste. Thünen-Chef Zimmermann betonte, dass die Erholung des Bestands gelungen sei, so dass in der kommenden Fangsaison acht Prozent mehr Dorsch gefangen werden könnte. Allerdings sei der Klimawandel am Heringsnachwuchs nicht spurlos vorübergegangen: „Die Tiere sind zu klein, so dass wahrscheinlich mit einer Fangmengenkürzung um ca. 38 Prozent gerechnet werden muss“, meinte er.

Als sechs Wochen später, Ende August 2017, die Europäische Kommission für 2018 nicht nur ein Aalfangverbot in der gesamten Ostsee für Berufs- wie Freizeitfischerei ankündigt, sondern auch die Kürzung der Heringsfangmenge um 54 Prozent und zudem den Dorschfang auf dem stark gekürzten Niveau von 2017 beibehalten will, sagt Werner Kuhn zutiefst empört: „Das ist die Arroganz der Macht. Wir werden dagegen kämpfen.“ Über den Aal sei mit der Wissenschaft noch gar nicht diskutiert worden, da eine Auswertung der mehrjährigen Besatzprogramme überhaupt noch gar nicht erfolgt sein kann, so Kuhn. Das Aalbesatzprogramm läuft erst seit sieben bis acht Jahren, doch die ausgesetzten weiblichen Tiere werden erst mit 12 bis 15 Jahren geschlechtsreif, um dann über die Flüsse abwärts ins Meer zu wandern und in der Sargassosee zu laichen.  Bei der Festlegung der Fangquoten das Parlament hat kein Mitspracherecht, sondern die nationalen Fischereiminister der Mitgliedsstaaten entscheiden jährlich – dieses Jahr am 9. und 10. Oktober - über die Vorschläge der Kommission. 

Im Anschluss an den Besuch im Thünen-Institut diskutierten die Europaparlamentarier mit Kutterkapitänen von Freizeithochseeanglern und Vertretern des Angelverbandes MV. Nach Untersuchungen der Wissenschaft ist die Zahl der Hochseeangler in Deutschland auf 172.000 gestiegen, von denen allein 161.000 in der Ostsee angeln. Daraus resultierten etwa 1,1 Millionen Angeltage in der Ostsee. Die Freizeitfischer hätten bis zu 4.130 Tonnen Dorsch gefangen, das sind 50 Prozent der jährlichen Anlandemenge der deutschen Berufsfischerei. Die Kapitäne der Hochseeangelkutter erleben durch das Fanglimit 2017 auf fünf Dorsche pro Tag Einbußen: Gäste bleiben weg, hinzu kommen höhere Ausgaben, weil Liegegebühren gestiegen sind, die Mehrwertsteuer der Angelkutter von sieben auf 19 Prozent angehoben wurde und sie von der Berufsgenossenschaft wie Fahrgastschiffe behandelt werden. Kuhn betonte, eine Unterstützung der Freizeitfischerei aus Mitteln des Tourismus müsse geprüft werden. Wenn beispielsweise Liegegebühren um 28 Prozent steigen - bei sinkenden Einnahmen wegen der Fangreduzierung - wären für eine Übergangszeit besondere Entlastungsmaßnahmen zu prüfen.

Am zweiten Tag ihres Aufenthaltes besuchten die Europaparlamentarier das Euro-Baltic Fischwerk in Sassnitz-Mukran, in dem 230 Beschäftigte jährlich bis zu 65.000 Tonnen Hering zu Filets verarbeiten, wie Werkschef Uwe Richter den Gästen

aus Brüssel erklärte. Dr. Uwe Richter ist der Vorsitzende des Deutschen Hochseefischereiverbandes und hat große Befürchtungen für die Zukunft: Das für 126 Millionen Euro gebaute Fischwerk der holländischen Gruppe „Parlevliet and van der Plast“ in Mukran könnte vom EU-Austritt der Briten besonders stark betroffen sein, denn etwa 83 Prozent aller Anlandungen kommt aus britischen Hoheitsgewässern.  Wenn Großbritannien auf den harten Brexit setzt, sind diese Fanggebiete für europäische Fischer verloren. Kuhn empfahl, mit dem schlimmsten Fall zu rechnen, sein spanischer Parlamentskollege Francisco Millán Mon, der für die EVP-Fraktion die Brexitverhandlungen auf dem Gebiet der Fischerei verfolgen soll, sah jedoch die Sache nicht ganz so pessimistisch: „Wenn die Briten uns den Zugang zu ihren Gewässern verweigern, dann erschweren oder blockieren wir ihnen den Zugang zum europäischen Markt.“ Die Briten würden 67 Prozent ihrer Waren auf dem europäischen Markt absetzen – das wäre eine gute Verhandlungsposition. Kuhn sagt: „Es ist mit der Kommission abgemacht, dass das Thema Fischerei in den Brexit-Verhandlungen separat behandelt werden soll. Bei einem Entgegenkommen könne Großbritannien Zugang zum europäischen Binnenmarkt für eigene Fischereierzeugnisse bekommen.“ Uwe Richter befürchtet jedoch, dass Großbritannien Fangkonzessionen verkauft und so die Mitgliedsländer spalten könnte. Peter Breckling vom Deutschen Fischereiverband meinte, man sollte sich darauf einstellen, Geld für Konzessionen ausgeben zu müssen: „Die Gefahr ist real, dass der europäische Fisch Wechselgeld wird.“ 

Im Fischereihafen Barhöft vor Stralsund kam es zu einer heißen Diskussion mit Kutter- und Küstenfischern um die passive Fischerei sowie den Fischfang in Natura 2000 Gebieten. „Hier ist jeder Frosch mehr wert, als ein Fischer“, sagte André Grählert aus Pruchten pessimistisch. Annie Schreijer-Pierik (EVP) aus den Niederlanden betonte: Die nationalen Minister sind in der Verantwortung, sie haben für die Natura 2000- und FFH-Gebiete Managementpläne aufzustellen. Die niederländischen Fischer hätten ganz konkrete Forderungen aufgemacht und damit etwas erreicht. Auch die Bekämpfung des Kormorans sei nationale Angelegenheit – die europäische Gesetzgebung lässt das zu.  Ulrike Rodust aus Schleswig-Holstein forderte zusammen mit Werner Kuhn: Der Abschuss zur Bestandsregulierung des schwarzen Räubers muss besser unterstützt werden. Der Bestand muss dezimiert werden, auch in Schutzgebieten. Die Einrichtung eines Fonds zur Kostendeckung wäre ratsam.

Am dritten Tag besuchte die Delegation die Müritz-Fischer von der Fischerei Müritz-Plau GmbH in Ware, die 1952 als Fischereiproduktionsgenossenschaft gegründet worden war. In der Aquaponik-Anlage – eine Kombination aus Fisch- und Gemüsezucht - produzieren die Müritzfischer afrikanischen Wels und Tomaten – 7000 Fische wachsen in den Becken und alle drei Wochen werden sie „geerntet“. Die Tomaten natürlich täglich. Die Effektivität der Anlage liegt bei 85 Prozent, berichtet Ulrich Paetsch. Neun Millionen Umsatz erzielt das Unternehmen mit mehreren Fischerhöfen und beschäftigt 140 Mitarbeiter – vor 25 Jahren waren es nur 20 mehr. Der Fischhof mit Verkaufseinrichtung und der Aquaponik-Anlage wurde von der EU mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

 

 

Resümee

Ein Thema kam bei der Reise des Fischereiausschusses immer wieder zur Sprache: Das waren die Ausfallgelder für die Kutter- und Küstenfischer: Einerseits würden 2,5 Millionen Euro bei der EU liegen, zum anderen seien nur knapp 20 Prozent, also etwa 450.000 Euro, an die Fischer ausgereicht worden. Werner Kuhn fasste zusammen: Die Überarbeitungder Förderrichtlinie zur Unterstützung der Küstenfischer aus Mitteln des EU-Fischereifonds sei unbedingt erforderlich. Ursachen für diese unbefriedigende Differenz seien zu komplizierte und praxisferne Förderkriterien. Die Bedingungen müssten so angepasst werden, dass auch kleinere Kutter davon profitieren, erklärte der Abgeordnete aus Zingst.

„Wir geben uns jetzt selbst einen Auftrag“, sagte Annie Schreijer-Pierik (EVP) aus den Niederlanden zum Abschluss der Reise, „wir müssen eine Vorlage an die Kommission ausarbeiten, damit sich etwas ändert und die Fischer ihr Geld für die Ausfälle erhalten.“ Die EU-Parlamentarier beschlossen, dass der komplette Antrag an den Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) drastisch gestrafft werden muss: einst war er drei Seite lang, jetzt sind es 30. Das soll geändert werden. Selbst erteilter Auftrag Nummer zwei soll der Kampf gegen den Kormoran sein. Werner Kuhn begründet: „Ökonomie und Ökologie müssen ins Gleichgewicht gebracht werden. Wir wollen zeigen, dass es nicht nur Probleme gibt, sondern Europa für die Menschen da ist.“         

Evelyn Koepke, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Werner Kuhn

 

Presseecho zur Ausschussreise

 

Beitrag NDR vom 18.07.2017

Beitrag Nordkurier vom 19.07.2017

PDF Nordkurier, 19.07.2017228 kB2017-08-03
PDF Ostsee-Zeitung, 19.07.2017264 kB2017-09-06
PDF Blitz, 23.07.20171 MB2017-09-06
PDF Ostsee-Anzeiger, 26.07.20171009 kB2017-09-06

 

Bilder zur Ausschussreise

 


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