Werner Kuhn - Europaabgeordneter - EVP - Fraktion

Gesunde Dorschbestände in der Ostsee haben Vorrang

Nun müssen wir mit ihm leben, dem Kompromiss zur Dorschfangmenge für das Jahr 2017. Die Fischereiminister der EU-Mitgliedsstaaten hatten am 10. Oktober 2016 das letzte Wort und an dem ist jetzt ein Jahr lang nicht zu rütteln. 

Aus Diskussionsforen weiß ich, dass nicht alle Angler mit dem Ergebnis zufrieden sind – ebenso wenig, wie die deutschen Kutter- und Küstenfischer darüber glücklich sind, dass sie im kommenden Jahr in der westlichen Ostsee nur 1194 Tonnen Dorsch fangen dürfen. 2016 waren es noch 2715 Tonnen und 2015 immerhin 3393 t. Da hilft es zwar, dass sie Ausgleichszahlungen von Bund und EU erhalten, aber der drastische Einbruch der Fangmenge geht dennoch an die Existenzen: viele Direktvermarktungskunden der Fischer müssen entweder mit weniger Fisch zufrieden sein oder springen ab.

Der Internationale Rat für Meeresforschung hatte für die westliche Ostsee eine gesamte Fangmenge von 917 Tonnen vorgeschlagen – weil aber in Deutschland nun zum ersten Mal, seit es Fangquoten gibt, auch die Angler von der Limitierung betroffen sind, konnten sich die Minister auf eine 56prozentige statt auf eine 88prozentige Kürzung einigen. Denn die Petrijünger sind zunehmend am Dorschfang beteiligt: 2015 suchten 90.000 Angler vor der Küste Mecklenburgs und Vorpommerns ihr Heil – 12.000 mehr als noch fünf Jahre zuvor. Und in Schleswig-Holstein starten allein aus den Häfen Heiligenhafen und Fehmarn jährlich rund 70.000 Angler eine Bootstour zum Dorschangeln. Nach Angaben des Thünen-Instituts in Rostock fingen die Freizeitangler im vergangenen Jahr 2962 Tonnen Dorsch, die Berufsfischer 2915 Tonnen.

Natürlich ist uns allen bewusst, dass die Angler gleichzeitig der einheimischen Wirtschaft Umsätze in nennenswerten Größen bescheren. Und dass sie mit der Fischereiabgabe Schutzmaßnahmen für Gewässer, Fischwanderhilfen und Besatzmaßnahmen für bedrohte Arten wie den Aal finanzieren.

Weil man nicht den Ast absägen will, auf dem man sitzt, gilt es jetzt für alle Beteiligten, alles daranzusetzen, dass sich der Dorsch erholt. Damit er in den nächsten Jahren ertragreich gefischt werden kann, dürfen nun erst mal nur drei Dorsche pro Tag in der Laichsaison geangelt werden und übers restliche Jahr fünf am Tag. Ich finde es gut, dass sich Angelsport und handwerkliche Fischerei nicht auseinanderdividieren lassen: Diese Entscheidung der Fischereiminister 2016 war die erste Einigung im Rahmen des Mehrjahresplans für die Ostsee und sie unterstützt die Bestandserholung des Dorsches.Denn Ziel der reformierten gemeinsamen Fischereipolitik ist eine Befischung aller Bestände auf nachhaltigem Niveau unter Einhaltung des höchstmöglichen Dauerertrags (Maximum Sustainable Yield, MSY) zu erreichen. Dadurch können Fischer und Angler die größtmögliche Menge Fisch entnehmen, bei der zugleich eine gesunde Bestandsgröße beibehalten wird. Wenn sich alle Beteiligten dran halten, werden wir auf lange Sicht weitgehend stabile Fischbestände haben. 

Ihr Werner Kuhn

01.11.2016

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